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Tango Stile

Argentinischen Tango tanzen macht Spass und es gibt kaum noch eine größere Stadt in der Welt in der nicht regelmäßige Milongas stattfinden. Dabei spielt der Salon Tango eine wichtige Rolle, denn durch seine lange Entwicklungsgeschichte vereint er ein sehr vielfältiges Spektrum an Techniken und Elementen.

NeoSalon
NeoSalon nimmt sich nur die Freiheit zwischen verschiedene Stilen zu wechseln. Ein Spiel mit der Tradition und der Moderne; denn, der Übergang vom Salon Tango zum Tango Nuevo war einfach, er hat sich in mehr als hundert Jahren dahin entwickelt. Neo Tango bezeichnet jedoch eine Form des Tangotanzens auf sehr Moderne Interpretationen des Tangos und seiner Musik und der Non Tango wiederum die Anwendung von Tangotanzelelmenten auf Musik, die ansonsten mit dem Tango und seinen Rhythmen wenig bis gar nichts zu tun hat (z.B. HipHop und Rap um mal was extremes zu wählen).

Die ersten größeren Veränderungen im Tango begannen bereits in den 1960er Jahren. Zuerst musikalisch und in den 1980er Jahren dann auch tänzerisch. Heutzutage macht es also durchaus Sinn die Unterschiede der Stile zu kennen um sich dem Tanzstil und damit dem Tanzfluss des Abends, der Paare und seiner Musik anpassen zu können. Dabei kann man durchaus seinen klassischen Tango mit ein paar Modernen Elementen anreichern, ohne dabei eine traditionelle Tanda zu stören. 

Ansonsten wird der Versuch Argentinischen Tango in eine Schablone zu pressen allerdings kläglich scheitern. Dafür ist seine Geschichte und seine Variation zu breit. Ein paar unvollständige Beispiele möchte ich erwähnen um die Vielfalt aufzuzeigen.

Tango de salón (Salontango)
Der Salontango hat komplizierte Techniken, verzichtet jedoch meist darauf um den Tanzfluss der anderen Paare nicht zu stören. Seine enge Umarmung kann sich flexibel öffnen und schließen, um Raum zu schaffen für verschiedene Figuren, Unterstützung und Gleichgewicht. Von oben betrachtet sind die Oberkörper meist wie ein umgekehrtes V angeordnet.

Neotango, (ist nicht! Tango Nuevo)
Ein bewusstes Öffnen der Tanzhaltung für Positionen neben- oder hintereinander. Zusätzlich werden Elemente aus anderen Tänzen adaptiert. Gerne wird auch mit der der Aufgabe der Achse eines oder beider Tanzpartners gespielt (Colgadas und Volcadas). Wenn man möchte kann man den Neotango als eine Konsequenz aus der  Phase nach 1980 erachten, in der der getanzte Tango technisch und künstlerisch eine neue Entwicklung erreichte, den Tango Nuevo. Tradition und Moderne bereichern sich hier noch heute gegenseitig.

Tango Líquido oder NeoSalon
ist eine Form bei der die meist enge Haltung des Salontangos und die offene des Neo Tango flüssig, fließend („líquido“) ineinander übergehen.
Dadurch kann man die Nähe und Feinheit des Tango Salon und die Dynamik des Neo Tango  wunderbar miteinander verbinden. 

Estilo Milonguero, Confiteriastil, Clubstil, Apiladostil…
Auch Tango Petitero genannt ist ein Tanzstil der in sehr enger Umarmung mit vollem Oberkörperkontakt getanzt, wobei sich die Partner etwas aneinander lehnen (nicht hängen!) und einfache Geh- und Drehschritte ausführen.

Villa-Urquiza-Stil,
Salontango bei dem die Folgenden mehr Freiheit für Verzierungen haben.

Tango Orillero
Ein alte explosiver Tanzstil aus den armen Vororten von Buenos Aires und Montevideo, bei dem der Mann oder das Paar viele schnelle, synkopierte Schritte und Sprünge ausführt.

Canyengue
Ein sehr alter Tangostil aus der Zeit zwischen 1890 und 1940. Ein schneller 2/4-Takt war die Grundlage, dadurch ist er sehr rhythmisch betont wie eine moderne Milonga.

Tango al revés
in den 1940er Jahren entstandene Variante des Salontangos,
der Führende ist in der „Schattenposition”, also hinter der Folgenden, mit seiner Brust an ihrem Rücken. Eine erste kleine Tango Nuevo Revolution…

Tango tradicional,
Ein früher Stil, der in der Hauptsache rhythmisch gegangen wird, nicht unbedingt genau auf den Takt (compás), sondern eher rhythmisch.

Tango con corte y quebrada,
sehr früher Stil, der Schnitte (cortes), gebeugte Posen (quebradas) und Sitzfiguren (Sentadas) benutzt.

Tango de fantasía,
zusätzliche kleine Spielereien wie Sentadas und schnelle Beinbewegungen werden dem Salon Tango hinzugefügt.

Tango acrobático,
hier wird ein akrobatischer Tanz zu Tangomusik aufgeführt mit Hebungen und akrobatischen Effektfiguren. 



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Daniela Pucci y Luis Bianchi

Aus der Serie der “Special” Tango Workshops im FTV 1860

Frankfurt, 17. – 23. Sep 2018

Mo, 17.09 21:00 Walter Kolb Saal, 2. OG Technique & Musicality in Neo Style
Di, 18.09* 20:00 Mehrzweckraum 1, 1. OG Strategies for Dancing in tiny Spaces
Mi, 19.09 21:00 Hans Grötsch Halle, 1. OG Floating Giros
Sa, 22.09 15:00 Mehrzweckraum 1, 1. OG Walking: controlled and powerful, floating and catlike
Sa, 22.09 18:00 Mehrzweckraum 1, 1. OG Playing with the legs: Arrepentidas
So, 23.09** 13:00 Mehrzweckraum 1, 1. OG Combining Ganchos, Boleos, Piernazos
So, 23.09 15:00 Mehrzweckraum 1, 1. OG Explosion & Expression: Adding Dynamics in Circular Movements
So, 23.09 18:00 Mehrzweckraum 1, 1. OG Dynamic Turns for Vals

*Die Tangogruppe um Andreas Schmidt kann leider nur bis 19:45 üben.
**Yoga für Tangueras bei Svetlana findet ausnahmsweise schon um 11:00 statt.

Unterrichtssprache: Englisch

Unterrichtsdauer: 90 min.

Ort: Mehrzweckraum 1(MZR1), FTV1860, 1.OG. Pfingstweidstr.7, 60316 Frankfurt Main

Kosten (Montag / Mittwoch):

10€ für regelmäßige KursteilnehmerInnen  an F1 oder F2
15€ für Personen, die nicht Mitglied im FTV1860 sind
Preise gelten pro Person, max. 12 Paare pro Klasse. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Bezahlung vor Ort im Kurs in bar

Kosten (Dienstag / Samstag / Sonntag):

25€ bei Buchung von einem Workshop
20€ bei mehreren Workshops.
Preise gelten pro Person, max. 6 Paare pro Klasse. Anmeldung obligatorisch und nur mit Bestätigung gültig!

Bezahlung vor Ort im Kurs in bar

Anmeldung (Bitte Paarweise, wir vermitteln nicht): annemiii@bailamoz.com
WhatsApp oder FB wird NICHT akzeptiert, bereits bei Andreas eingegangene Anmeldungen sind weitergeleitet. Bestätigungsmail von Annemarie kommt bis Freitag,14.09., sonst bitte nochmal bei ihr melden!

Privatunterricht

80 Euro pro Person, 60 Minuten. 100 Euro als Paar, 60 Minuten
Dienstag bis Freitag zwischen 10:00 und 19:00 Uhr nach Absprache. Ort: 60386 Frankfurt Fechenheim.Info über das Paar: http://www.danielayluis.com/

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wenn Männer zusammen tanzen

Klar, wenn ich mir heute Fotos und Videos zum Tango anschaue, dann ist das zunächst mal heterosex gepaart mit Sex, Erotik und manchmal  zuviel Dominanzgebalze. Daneben gibt es natürlich auch noch den romantischen und schönen Fluss im gemeinsamen Rhythmus, ganz ohen erotische Hintergedanken. Aber das war und ist nicht der Ursprung des Tango und hat mit dem Ursprung auch wenig zu tun.

Die ersten Tangos tauchen so um die 1870 auf und das in einer Gesellschaft die fast nur aus Männern bestand. Die wurden nämlich aus Europa in jungen Jahren nach Argentinien geschickt um Geld zu verdienen oder die Ankunft der Familie vor zu bereiten.

Die Männer lebten, arbeiteten und schliefen zusammen in Gemeinschaftsunterkünften und eine Frau traf man so gut wie gar nicht. Gab es dann mal eine Festivität, auf der es auch eine Handvoll Frauen gab, dann hatte man als Mann trotzdem kaum eine Chance mal mit einer Frau zu tanzen. Wenn es aber dazu kam, dann musste alles perfekt sein, also übten und tanzten die Männer all die typischen Gesellschafttänze der Zeit.

Der Tango scheint sich zu der Zeit als eine art Fantasietanz entwickelt zu haben. Das große gesellschaftliche „Risiko“ des Tangos, lag ja darin, das Du als Mann zwischen die Beine des Folgenden gehst. Eine sehr erotische Angelegenheit zu der Zeit und definitiv etwas was die jungen Männer nur zu gerne getan hätten, aber wozu es eben so gut wie nie kam.

Die jungen Männer tanzten diesen neuen Tanz Tango um die Frauen zu beeindrucken und um sie zu werben, denn nur mit den besten wurde am Ende getanzt.

Natürlich gab es auch eine latente untergründige schwule Kultur. Es gab Männer die berühmt waren als folgende und die nie mit Frauen getanzt haben. Um solche Männer wurde zum Teil gekämpft und sie waren zu der Zeit sehr begehrte Tanzpartner.

Über die Jahrzehnte wurde der Tango dann in den Familien von den Vätern an die Söhne weitergegeben und später  von den Müttern an die Töchter. All das geschah in der Regel nur  innerhalb der häuslichen Umgebung. Erst wenn die jungen Burschen mit 12 ins Berufsleben gingen, fingen sie an sich mit anderen Männern zum Tangolernen zu treffen und erst wenn sie ein paar Jahre gelernt hatten als Folgende und Führende, hatte sie vielleicht mal eine erste chance zu einer Milonga mitgenommen zu werden.

Dort wurden sie dann mit etwas Glück einer Frau vorgestellt, die mal eine Tanda mit ihnen tanzt. Einer Frau, die es gewohnt ist nur mit den besten der Tänzer zu tanzen. Wenn Du dort als junger Mann dann also nicht aktzeptiert wirdest, dann hies das zurück in de Tangoschule mit den anderen jungen Männern. Survival of the fittest.

Während der Rest der Welt sich in den 1940ern im Krieg aufrieb und Siegen beschäftigte, gab es in Argentinien ein vibrierende Kulturszene rund um den Tango und er erreichte seinen Zenith in der Bedeutung der Gesellschaft. Der Tango dieser zeit war wohl am ehesten zu vergleichen HipHop New Yorks, eine Kultur mit Gangstern, die sich damit eine Bühne verschafften.

Milongas waren somit ein hoch formalisiertes rituelles Treffen, bei dem man nur teilnehmen durfte wenn man gut war. Männer und Frauen mussten also separat, permanent und lange üben, bevor sie überhaupt mal zu einer Milonga eingeladen wurden. Einfach mal hingehen war eh keine Option.

Die Tradition innerhalb des eignen Geschlechtes Tango zu lernen und zu üben, wurde noch weit bis in die 1950er Jahre eingehalten. Männerpaare die Tango tanzen waren also für fast ein Jahrhundert das normale Bild des Tango. Männer haben die Figuren erdacht, ausprobiert und weitergegeben. Frauen waren vielleicht ein großer Teil der Fantasie, aber nur ein kleiner Teil der aktiven und kreativen Szene.

Dann folgten 30 Jahre der Korruption und Unterdrückung, Der Tango überlebte in kleinen Nischen und im Untergrund. Als der Tango dann in den 1980ern wieder mehr in den Vordergrund rückte, wurde durch den internationalen Feminismus die Trennung der Geschlechter zurückgewiesen. Frauen und Männer wurden motiviert zusammen zu lernen und nicht mehr getrennt.

Im modernen Tango gab es also plötzlich Männer, die Frauen beim üben führten. Das war etwas, das weit weg von der Tradition und dem Ursprung des Tango war. Die unbändige Kraft wenn zwei erwachsene trainierte Männer miteinander Tangotanzen und üben, war verschwunden.

Das war ein Fehler, denn einen richtig guten Tango lernt man nur, wenn man in beiden Rollen jahrelang trainiert. Führend und folgend.
Der Versuch die eine fast, rituelle Tangoefahrung , des ausgehenden 20zigsten Jahrhunderts zu schaffen und zu erfühlen, muss also scheitern. Das Jahrelange beschäftigen mit beiden Rollen fehlt einfach an allen Ecken und Kanten. Das Selbstverständins ist einfach nicht vorhanden.

Heute im 21 Jahrhundert, wird zunehmend wieder mehr Wert auf diese Elemente gelegt und das mit gutem Erfolg. Tango ist deswegen nicht schwul  oder hetero und schon gar nicht dominant, aber er hat eine klare Linie und ist dabei unbändig und überbordend.
Er ist eben gerade nicht Mainstream , sondern eher Wiederstand gegen die Normen. Er entwickelt sich in seiner Ausdrucksform permanent weiter und kann deswegen nicht auf eine Dekade oder Form reduziert werden.

 Der Tango ist eben etwas für Menschen die bereit sind mehr als nur eine einzelne Rolle zu lernen.

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1988 Tango, oder so ähnlich

Mainz 1985: Mann, war ich ein schlechter Tango Tänzer mit meinen 20 Lenzen… und damit meine ich noch nicht, dass ich mich am Anfang meiner “Tangokarriere” rüpelhaft benommen hätte. Nein, ganz im Gegenteil, ich war schon immer ein freundlicher Tänzer. Aber das was ich Ende der Achtziger in Mainz/Wiesbaden an Tango gelernt habe, das war einfach unterirdisch.

Kleines Beispiel? Da habe ich einen Ocho mit der Hand auf dem Kreuz der Dame geführt, immer schön links und rechts von der Wirbelsäule im Takt drücken. Oder das Rückwärtskreuz der Frau führen (das war schon ein Kreuz mit dem Kreuz…), da wurde kurzerhand im richtigen Moment mit der rechten Hand – oder auch dem ganzen Arm –  ein bisschen nach links geschoben und schon musste sich die Frau auf das linke Bein ins Kreuz retten. Na gut, meine original argentinischen Lehrer von damals gehörten wohl nicht zur Creme de la Creme.

Als ich dann ein paar Jahre später nach Hamburg zog bekam ich für solches Benehmen dann auch gleich die Rote Karte von den Frauen und das will was heißen, denn eigentlich lassen sich die Frauen doch einiges gefallen im Tango, oder Sie waren damals doch einfach wählerischer?

Meine darauf folgenden Tangokurse in Hamburg haben diese Defizite ganz schnell beseitigt und mich an das dortige Tanzschema angepasst, leider hat aber auch genau diese Art von Unterricht wieder  jede Menge neue Defizite zu Tage gebracht (“….und nun lehnen wir uns mal wie ein umgekehrtes V aneinander…”).

Viel zu viel Energie, Interessante Achsen und ein wildes Tempo mit zu wenigen Pausen trieben mir und meinen Tanzpartnerinnen zwar ein Lächeln und gehörig Schweiß ins Gesicht, aber Ruhe und Zweisamkeit, stille Erotik und geschlossene Augen der Partnerin, ein  gemeinsames Dahingleiten, das gab es schlichtweg viel zu selten.

Ich brauchte noch ein paar Jahre um die Zusammenhänge und Unterschiede zu begreifen. Mit dem aufkeimenden Neo Tango wurde ich jedoch erst wirklich ruhiger, vor allem merkte ich schnell,  das da wohl noch viel mehr geht. Durch das „Glück“, das in Hamburg Anfang des neuen Jahrhunderts einige Neo Tänzer und Tänzerinnen aufschlugen, fing ich an meine Bewegungsmuster und Schema zu überdenken und gegenzusteuern um zu angenehmeren Bewegungsabläufen (für mich) zu kommen. Wie bereits erwähnt, wurde mir die immer noch vorhandene Menge an Energie und die damit verbundene Übertreibung erst so richtig bewusst in dem open Embrace des Neo Tangos. Ohne den „Vollkontakt Tango des Salon“ konnten mir die Frauen oft nicht richtig folgen, oder ich habe nicht rechtzeitig gemerkt wo Sie hin wollten, von dem Respekt vor der eigenen Achse der Frau, war ich allerdings immer noch Tangomeilen entfernt. Wie man den Neo und den Salon in einem Tango Nuevo kombiniert, die Schönheit des alten mit der Dynamik des neuen?…..ach vergiss es, damals waren für mich Neo Tango und Tango Nuevo eh ein und dasselbe.

Ich verstand aber, das Neo Tango nichts ist ohne den traditionellen Tango verstanden zu haben, also war es an der Zeit radikalere Änderungen in Angriff zu nehmen. Durch meine Scheidung und den plötzlichem Defekt meines Sinusknotens zu einem Herzschrittmacher gezwungen, nahm ich mir eine lange Auszeit und konzentrierte mich darauf meine Bewegungen komplett zu analysieren und zu überarbeiten. Jeden Tag habe ich selber für mich geübt und bin abends 7 Tage die Woche auf allem was sich Milonga nannte unterwegs gewesen, 6 Monate lang. Dann 2-mal die Woche Einzelstunden. 2 Monate lang. Dann hatte ich begriffen, ich muss mal komplett raus hier und habe ich mich in den Flieger gesetzt und bin nach Uruguay geflogen. Im Gepäck nur ein paar Sachen zum Wechseln und genügend gespartes Geld für ein kleines Zimmer und täglichen Unterricht.

So landete ich also dann erstmal mitten im Montevideo Tangofestival, in den Unterrichtsarmen von Esteban und Evelyn Cortez, sowie dem Straßen Karneval von Montevideo. Nach einem Monat Montevideo intensiv, ging es nach Buenos Aires zum täglichem Trainingsspass beim DNI mit Einzelstunden und Gruppenstunden und Übungsstunden….

Nach 25 Jahren Tango hatte ich zum ersten Mal das Gefühl angekommen zu sein. Verwechselte allerdings immer noch Neo Tango mit Tango Nuevo…

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Tango Salon & Nuevo

Ich habe über den traditionellen den modernen Tango und dann den sogenannten Tango Nuevo kennen gelernt. Inzwischen weiß ich das vieles von dem was ich lange für wahr hielt, alles andere als wahr war.

Gustavo Naveira, Chicho Frumboli, Nick Jones, Esteban Cortez, Daniel Zawistowski haben mich im Laufe der Jahre eines besseren belehrt. Natürlich waren da auch ein paar Tangolehrerinnen dabei, wie Evelyn Cortez, Christiane Stange, Stella Missé, Diana Cruz um nur ein Handvoll zu erwähnen.

In vielen Wein, Wasser und Whisky Sessions, habe ich wohl in weiten Teilen die Meinung von Gustavo Naveira übernommen. Dabei sind sich in einigen Dingen alle ziemlich einig,  die Frage nach der Art und Weise, wie ein Tango getanzt wird, ist nämlich alles andere als leicht zu beantworten: man könnte es mit Technik, Form oder Stil versuchen.

Wer nun allerdings meint der Begriff Tango Nuevo bezieht sich auf einen Tanzstil, der macht einen großen Fehler. In Wirklichkeit gibt es keinen besonderen Tango Nuevo, sondern Tango Nuevo ist alles, was mit dem Tango seit den 1980er Jahren passiert ist.

Es ist also gar keine Frage des Stils … Die Worte Tango Nuevo drücken aus, was mit dem Tangotanzen im Allgemeinen passiert; nämlich dass es sich entwickelt. Tango Nuevo ist kein einzelner Stil; Es ist einfach so, dass der Tango wächst, sich verbessert, sich entwickelt und bereichert, in diesem Sinne bewegen wir uns dynamisch auf eine neue Dimension des Tangotanzens zu.

In der Gemeinschaft der Tangotänzer gab es viele Diskussionen über das Problem der Umarmung. Eine Diskussion, die oftmals den Tanz in einen offenen oder geschlossenen Stil teilt. Aber auch das ist verwirrend, denn was ist denn nun genau eine offene Umarmung und wann fängt die an?

Offene Umarmung oder geschlossene Umarmung, Tanzen mit Raum oder wenig Raum, das sind alles überholte Begriffe. In Wirklichkeit ist das eine alte Denkweise, die aus dem Mangel an technischem Wissen in früheren Epochen resultiert.

Diese einfache und ungeschickte Trennung zwischen offen und geschlossen wird oft von denen benutzt, die versuchen, eine Entwicklung des Tanzes zu verleugnen, oder um ihren eigenen Mangel an Wissen zu verschleiern.
Heute ist es vollkommen klar, dass die Distanz im Tanz eine viel größere Komplexität hat als einfach nur offen oder geschlossen… Wir haben gelernt besser und genauer zu tanzen, und wir haben unser Wissen um die zahllosen Stile des Tango weiter entwickelt.

Das Ergebnis ist ein Tanz mit phantastischen Möglichkeiten und einer hohen künstlerischen Qualität. Der in die Moderne getragene argentinische Tango kann dadurch mit spielerischer Leichtigkeit Brücken zwischen Jung und Alt und Modern und Traditionell schlagen, wie es kein anderer Gesellschaftstanz kann. Die Freiheiten in der Ausführung und der Wahl der Musik sind schier unbegrenzt.

Wer einmal damit angefangen hat, wird sich kaum mehr seiner Faszination entziehen können. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie damit anfangen wollen, es wird Sie nicht mehr loslassen.